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ZU HAUSE - Was ist das eigentlich?

Film von Elke Jonigkeit, 45', NDR, 1985

Der Film porträtiert eine 70jährige Frau, deren Leben geprägt wurde von den Auswirkungen des 2.Weltkrieges.
Es ist ein Film über Flucht, Trennung und wiederholten Neubeginn, der zeigt, dass "Flucht" kein Einzelschicksal ist.
Er erzählt vom Verlust der Heimat und den Versuchen, anderswo neu Fuß zu fassen. Er beschäftigt sich mit den Begleiterscheinungen des Krieges, von denen besonders die Frauen betroffen sind. bei der Frau des Films führte das Getrenntsein vom Ehemann durch Krieg und Kriegsbeschädigung zur Entfremdung und dann schließlich zur Trennung.
Ein Film, in dem eine mutige Frau über Krieg, Flucht und Nachkriegszeit berichtet - über einen Zeitabschnitt, an den viele auch heute noch nicht erinnert werden wollen, weil ihre Verletzungen noch immer nicht verheilt sind und sie noch keine Form gefunden haben, ihren schmerzlichen Erfahrungen Ausdruck zu verleihen.
Wir erleben eine selbständige Frau, die schon früh "ihren Mann stehen musste", die Erfüllung im Beruf fand und ihre familiären Probleme meistern konnte. Ein Film über das zerfallene, zerrissene, zerteilte Deutschland.

Schon die wechselnden Wohnsitze der Frau spiegeln den Verlauf deutscher Geschichte: Kindheit in Königsberg; Studium in Hannover, während der Nazizeit; als junge Lehrerin zurück nach Ostpreußen, an die Memel; dann 1944 Flucht nach Schlesien und später - 1945 - weiter nach Naumburg, das heute in der DDR liegt. Hier geht die Spaltung Deutschlands tief bis in die Familie hinein. 1954 verläßt die Frau mit ihren fünf Kindern die DDR und ihren Ehemann, um in der BRD - in Hannover, ihrem heutigen Wohnsitz - nochmals neu anzufangen.

Es ist ein Film, in dem Zeit erfahrbar, Geschichte mit-erlebbar wird. Er stellt Beziehungen her zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zeigt das unterschiedliche Leben darin, ebenso die Verschiedenartigkeit im gegenwärtigen Leben der BRD, DDR, Polen und die Unwissenheit über den russischen Teil Ostpreußens. Im Film treten Mutter und Tochter - die Filmemacherin - eine Reise zu den Orten der Vergangenheit an. Für die Mutter ist es eine Expedition zurück in die durchlebte Zeit, für die Tochter eine Suche nach ihren persönlichen Wurzeln: Die Reise beginnt im Kopf, da das nördliche Ostpreußen heute Sperrgebiet der UdSSR ist. Archivmaterial führt den Betrachter in die versunkene Zeit "von damals" und in die Nazizeit. In Polen und der DDR finden Mutter und Tochter Orte, die sie wiedererkennen und Menschen, die sich an sie erinnern. Die moderne Großstadt Hannover bildet einen harten Kontrast zu den Orten, in denen die Frau früher gelebt hat. Hier ist ihr jetziges Zuhause, wo sie ihren Lebensabend verbringt.


© Circe-Film, Filmproduktion GmbH, Schleheckerstr. 43, 53797 Lohmar, Germany. Tel: +49-2205-2352, Fax: +49-2205-87836, Email: info@circe-film.de