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Der Rote Oktober - Die GROSSEN und die kleinen Lügen

Ein Film von Hartmut Kaminski 1997 / 1998, 60 min.

Die Oktoberrevolution wurde in der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten Jahr für Jahr mit großem Pomp gefeiert. Hierbei bediente sich das Regime der "großen und kleinen Lügen", denn die "größte Befreiungstat" von 1917 war nicht alleine dem Konto der Bolschewiki zuzurechnen. Legenden und Fälschungen mußten die historische Wahrheit verschleiern. Das wohl bekannteste Foto der Oktoberrevolution - "Sturm auf das Winterpalais" - ist eine Fälschung. (siehe Foto rechts)


'Die Große Sozialistische Oktoberrevolution' - wie ein gewaltiger Fanfarenstoß klingt diese Bezeichnung, die in der Sowjetunion und den Satellitenstaaten für den Petrograder Aufstand von 1917 üblich war. Bis zum Zusammenbruch des 'Sozialistischen Vaterlandes' wurden Jahr für Jahr die Geburtstage des ersten "Arbeiter- und Bauernstaates", dieser "Wende in der Weltgeschichte" mit großem Pomp gefeiert. Auch die Satellitenstaaten nahmen daran teil - denn schließlich galt die 'größte Befreiungstat' auch ihnen. Mit diesem Riesenspektakel beglückwünschte sich das Regime selbst, sollten die historisch eher bescheidenen Tatsachen überspielt werden - denn schon kurz nach dem "Roten Oktober" von 1917 ist in der Sowjetunion kein einziger glaubwürdiger Bericht mehr erhalten geblieben.


Die vielen dunklen Punkte der historischen Wahrheit mußten vom Glorienschein der Legende überstrahlt werden: Der "Schuß der Aurora" und der "Sturm auf das Winterpalais" hatten das fehlende revolutionäre Pathos der Wirklichkeit zu ersetzen. Das System funktionierte perfekt: Die Machtübernahme im "Roter Oktober" wurde mit einem Gespinst von Lügen umgeben, das eine große Unwahrheit mit vielen kleinen Lügen verknüpfte. Die große Unwahrheit bestand darin, daß man die welthistorische Wende allein dem Konto der Bolschewiki gutschrieb und die Revolution auf die Oktoberereignisse reduzierte. Es sind die "kleinen Lügen", die den Film kurzweilig und unterhaltsam machen. Viele Details und Geschichten der Fälschungen sind skurril und absurd - sie entbehren auch nicht einer gewissen Komik. Da führen Arme von Verfemten auf Fotos oder im Film ein Eigenleben, da übersah man in Spielfilmen und Gemälden, daß Lenin im 'Roten Oktober" in Wirklichkeit keinen Bart trug. Und neben Lenin steht anstelle Trotzkijs plötzlich ein 'neuer Mensch', reinretuschiert in das Negativ.


Für den Film 'DER ROTE OKTOBER' konnten hochrangige Interviewpartner gewonnen werden, die auch 'Mitakteure' jener Zeit waren: Michail Gorbatschow, der letzte Generalsekretär der KPdSU, und Alexander Jakowlew, der als 'Vater der Perestroika' gilt. Es kommen aber auch Menschen zu Wort, die mit diesen 'großen und kleinen Lügen' leben mußten, wie die Geschichtslehrerin Irina Chromova. Beim Vergleich der alten mit den neuen Lehrbüchern von heute stellt sie fest: "Man glaubt, Geschichtsbücher von zwei völlig unterschiedlichen Ländern vor sich zu haben."

 

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Unten: So sieht eine Karteikarte des Fotoarchivs des 'Zentralen Museums der Sowjetischen Streitkräfte' in Moskau im Sommer 1997 aus: Man glaubte der historischen Wahrheit Genüge zu tun, indem man einfach 'AURORA' mit Bleistift zustrich. Denn der legendäre Kreuzer Aurora, der den "Startschuß in die neue Weltepoche" abgab, hat gar nicht das Winterpalais - den Regierungssitz - beschossen. Er hatte nur einen Blindschuß abgegeben, heißt es jetzt - und dieser hätte sich auch nur rein zufällig gelöst, spotten heute einige.


Sturm auf das Winterpalais

Museumskarte: 'Löcher, die eine Granate der AURORA im Winterpalais linterließ'. Das Museum als Fälscherwerkstatt: Dieses Foto sollte die Echtheit der Heldentat der Aurora im 'Roten Oktober' beweisen.


Lenin im Kreml mit den Delegierten des X. Parteitages


Lenin im Kreml mit den Delegierten des X. Parteitages, Ausschnitt Foto oben und Ausschnitt links: "Lenin im Kreml mit den Delegierten des X. Parteitages, die im Kampf gegen den Aufstand in Kronstadt teilgenommen haben.
22. März 1921, Moskau."

 

Veröffentlicht wurde vom Leninmuseum auf Anordnung der 'Fälscherwerkstatt' des 'Marxismus-Leninismus-Instituts' von dem Originalfoto nur der Ausschnitt oder sogar ein noch größeres, retuschiertes Leninporträt. Der Grund: Trotzkij, der Organisator des Oktoberaufstandes, Gründer der 'roten Armee' und 'Held des Bürgerkrieges' wurde von Stalin zur 'nichtexistierenden Person' erklärt. Zuerst wurde er politisch kaltgestellt, dann historisch ausgelöscht: Er wurde aus allen Foto- und Filmbildern herausgeschnitten, ebenso aus allen Büchern. 1940 folgte dann auch sein physischer Tod: Ein Agent Stalins erschlug ihn in Mexiko. Das Originalfoto erfuhr eine noch dreistere Fälschung: Trotzkij wurde aus dem Negativ herausgekratzt, und an seiner Stelle ein 'neuer Mensch' hineinretuschiert.

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