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Liebe im Vernichtungskrieg

Ein Film von Hartmut Kaminski, 1999 / 2000, 60 min.

synopsis in English

Kommandant der Deutschen Reichsbahn mit seiner Geliebten und ihrem gemeinsamen Kind in Riga -

'Trophäen-Foto' - so wurden die Beutefotos im Russischen genannt, die bei den toten deutschen Besatzern gefunden, oder den Kriegsgefangenen abgenommen wurden.

Foto links: ein Kommandant der Deutschen Reichsbahn mit seiner Geliebten und ihrem gemeinsamen Kind in den Straßen Rigas, Lettland.

Foto unten: Zwei junge Wehrmachtssoldaten - wahrscheinlich auf Genesungsurlaub - mit ihren lettischen Geliebten in Riga.  

(Klick auf die Fotos für Vergrößerung)

Soldaten mit Freundinnen in Riga Ein Schicksal - eines von vielen, die im Film erzählt werden:

Tatjana Kosoris lebt in Kiev, der Haupstadt der Ukraine. Dort arbeitete während des Krieges der Deutsche Friedrich Fechner aus Berlin, als Kommandant des Hauptbahnhofes. Er war in Deutschland verheiratet - verliebte sich aber in die junge, hübsche Ukrainerin, Tanjas Mutter Galina. Sie arbeitete in seinem Büro als Dolmetscherin und Chefsekretärin. So geschah es, daß Tanja in diesen Kriegswirren das Licht der Welt erblickte. Sie sagt dazu:

"Ich bin Gott dankbar, daß zu der Zeit, als ringsum alles brannte, als der Krieg tobte, die Liebe zwischen zwei jungen Menschen geboren wurde, einem deutschen Soldaten und einem ukrainischen Mädchen. Ich bin froh, daß sie mir mein Leben schenkten, daß ich existiere. Nun habe ich zwei Töchter, einen Schwiegersohn und eine Enkelin. Mein Leben setzt sich also fort. Trotz des Schreckens des Krieges, trotz all der schlechten Erfahrung. Die Liebe hat gewonnen. Die Liebe gewinnt immer. Die Liebe ist eine mächtige Kraft."

Erst als Tanja etwa 40 Jahre alt ist - sie ist bereits verheiratet und hat eigene Kinder - erfährt sie, daß ihr Vater ein Deutscher ist:

"Es war 1984. Meine Schwester Galja kam zu Besuch. Wir setzen uns hin, einen Tee zu trinken, da sagt sie: "Tanuscha! Ich muß Dir ein Geheimnis lüften, das ich nun 40 Jahre bewahrt habe." Ich frage sie:" Welches Geheimnis kann das schon sein?" Sie sagt: "Tanja, ich bin nicht Deine Schwester, ich bin Deine Mutter!" Und weiter: "Du bist die Frucht unserer Liebe, meiner und Fechners Liebe. Das bist Du."

Im Film sehen wir: Eine Fotofolge in Überblendungen, die Tanja vom Baby bis zur jungen Frau älter werden läßt. Dazu der KOMMENTAR: Um später ihre Mutterliebe beweisen zu können, schießt sie diese Fotos, die zeigen, daß Tanja immer akkurat und hübsch gekleidet aussieht. Tanja wird am 7. Januar 1944 geboren. - Ein Kind von einem Deutschen zu bekommen - das bedeutet Kollaboration mit dem Feind. Diese "Verräter des Volkes" werden nach Sibirien in die GULAGS geschickt - oder gar erschossen. So schützt sich Tanjas Mutter mit einer List:

"Ich ließ mir den Plan einfallen, Dich unter den Birnbaum am Haus auszusetzen. Dort würdest Du liegen. Dann würden wir Dich finden und zu uns ins Haus holen. Und Dich aufziehen. So haben wir es auch gemacht. Wir haben Dich unter den Birnbaum gelegt. Du bliebst da liegen, bis Dich unsere Nachbarn bemerkt haben. Dann haben wir Dich zu uns genommen. Die Wahrheit mußte verborgen bleiben. Deshalb zog Dich Deine Großmutter auf. Du nanntest sie "Mama." Aber Deine Muttter - das bin ich, von der Du denkst, ich sei Deine Schwester. Aber ich bin Deine Mutter."

Flugblatt der ukrainischen Kommunistischen Partei -

Foto links: Flugblatt, das von der ukrainischen Kommunistischen Partei 1943 herausgegeben wurde. Diese Agitationszettel wurden vom Flugzeug über dem okkupierten Gebiet abgeworfen oder von den Untergrund - und Partisanengruppen an Häuserwände, Masten usw. geklebt. Sie sollten die Widerstandskraft der unkrainischen Frauen anstacheln, die sich nach Ansicht der sowjetischen Führung zu leicht mit den deutschen Besetzern einließen und damit ihre Ehre und die "Ehre der Nation" befleckten.

 

Foto unten: Vermessung. Die Nazi-Rassentheorie sah zur 'Reinerhaltung der arischen Rasse' vor, daß 'Angehörige fremden Volkstums' vermessen wurden, um rassenpolitisch zu entscheiden, ob sie in den 'deutschen Volkskörper' aufgenommen werden können. Diese pseudowissenschaftlichen Untersuchungen mußten auf jeden Fall dann erfolgen, wenn ein Wehrmachtssoldat oder -offizier eine Baltin, Ukrainerin oder Weißrussin heiraten wollte.

Rassenwahn: Vermessung

Die Arbeit an einem Dokumentarfilm führt häufig zu Verbindungen des Regisseurs zu seinen Interviewpartnern, die weit über die konkrete Filmarbeit hinaus gehen. Der Regisseur nimmt von seinem Gegenüber dessen Lebensgeschichte und Schicksal, bannt sie auf Zelluloid und Tonband, bürdet sich aber im Gegenzug dazu einiges auf. Über das Selbstverständliche hinaus - mit den Interviews verantwortlich, ehrlich und integer umzugehen - kommen einige Verpflichtungen hinzu. In diesem Film gaben viele Frauen und Männer das Interview nur, weil sie damit eine Hoffnung verbinden: den Vater zu finden oder zumindest über sein Schicksal etwas zu erfahren.

Lesen Sie auch: Exposé des Films


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