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Liebe im Vernichtungskrieg - Exposé

Ein Dokumentarfilm von Hartmut Kaminski

Hitler ist begeistert. Die Berechnungen des Generaloberst Rudolf Schmidt, Oberbefehlshaber der 2. Panzerarmee, die in Rußland kämpft, imponieren ihm: 6 Millionen Soldaten stehen an der Ostfront, davon verkehren 3 Millionen mit russischen Frauen. Bei anderthalb Millionen russischer Mädchen bleibt dieser Verkehr nicht ohne Folgen. Dies ergibt 750 000 deutsch-russische Knaben pro Jahr. Und ebenso viele Mädchen. Diese sollen laut Vorschlag "wertvoller Ersatz für die kriegsbedingt ausfallenden Geburten" sein - aber eigentlich die Lücken schließen, die die hohen Verluste des nun 3 Jahre dauernden Krieges hinterlassen haben.

Schmidt's Schätzung vom September 1942 ruft in Berlin Erstaunen und Unglauben hervor. Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, Alfred Rosenberg, läßt vor Ort ermitteln: seine Zahl der unehelichen Kinder reiche zwar nicht an die von Schmidt heran, aber auch sie sei nicht unerheblich. "Allerdings liegen hier genaue Zahlen nicht vor."

Bis heute nicht. Denn die "Vergessenen Kinder des Ostens" sind ein "unbewältigtes Thema". Kein Historiker, kein Journalist hat sich bisher der Mühe unterzogen, das Geheimnis ihres Schicksals wissenschaftlich oder publizistisch zu lüften. Die Schwierigkeiten scheinen unüberwindbar. Alle mir vorliegenden Dokumente zu diesem Thema tragen den Stempel GEHEIM, VERTRAULICH oder NICHT ZUR VERÖFFENTLICHUNG!

Ein Grund für die Geheimhaltung war wohl - neben der allgemeinen Tabuisierung des Themas Sexualität - der schon 1941 einsetzende Richtungsstreit, wie mit solchen "Liebschaften" mit "Angehörigen fremden Volkstums" und den zu erwartenden unehelichen Kindern, zu verfahren sei. Für Himmler - den puritanischen Verfechter der "reinen Rasse" mußte jeder außereheliche Verkehr mit den "Untermenschen" unter allen Umständen verhindert werden. Die Kinder sind ihm als "Mischlinge deutschen und fremden Volkstums unerwünscht." Bordelle für die Wehrmacht lehnt er "aus weltanschaulichen Gründen" strikt ab. So war es für ihn wie eine Ohrfeige, als auf der SS-Richtertagung Mai 1943 kritisiert wird, daß im Osten "fast jeder" Waffen-SS-Führer "ein polnisches oder sonstwie andersrassiges Verhältnis" halte.

Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und seine Generalkommissariate dagegen befürworten die Eheschließung wenn auch nach strenger Prüfung der Leistungsfähigkeit, Rasse und Moral der Sippe - "denn sonst wird das zu erwartende Kind - an sich ein begrüßenswerter Zuwachs in der Eindeutschungspolitik - diskriminiert, als sei es ein NEGERBASTARD. In der opferwilligen, freundschaftlich-familiär eingestellten Bevölkerung macht sich schon Verbitterung und Unruhe breit, daß sie den Juden und Polen gleichgestellt wird, obwohl ihre Männer in den Schutzmannschaften und an der Front kämpfen, viele von ihnen ausgezeichnet mit dem EK."

"Da der außereheliche Verkehr nicht mehr kontrolliert werden könne", sieht die Wehrmacht keine Möglichkeiten, die "Liebschaftsverhältnisse" zu verbieten. Sie schlägt pragmatisch vor: ausreichende Menge Verhütungsmittel, Kasernierung der Dirnen, Bordelle für die Offiziere und auch die Mannschaften. Ansonsten erzieherische Maßnahmen wie Truppenbelehrung etc.

Bis zum Kriegsende gelingt es nicht, all die prinzipiellen, weltanschaulichen, pragmatischen, ökonomischen und machtpolitischen Interessen der verschiedenen Organisationen und Reichsministerien unter einen Hut zu bringen. Der interne Kampf setzt sich auch nach Hitlers "Führererlaß" vom 11. Oktober 1943 - in dem er sich für die Erfassung und Überführung der Kinder des Ostens ausspricht - fort in hochkarätig besetzten, interministeriellen Konferenzen und zahlreichen Beratungen der Nazigrößen. Das normale Tabu des sexuellen Brauchtums beim Militär in Kriegszeiten mit seinen Spannbreiten von Vergewaltigung, kasernierter Prostitution, "freiwilligen Liebesdiensten", "Liebeleien" und Konkubinaten bis hin zur Legalisierung durch die Ehe verschärft sich durch die spezielle Situation im Osten.

Als die deutschen Soldaten im Juni 1941 in die baltischen Staaten Belorußland und die Ukraine einfallen, sind sie überrascht, als sie vielerorts mit Ehrenpforten und Brot und Salz empfangen werden als "Befreier vom Stalinismus". Junge Frauen und Mädchen stehen erwartungsvoll am Straßenrand und schenken den vergötterten Vorboten der bewunderten germanischen Kultur Blumensträuße. Dabei bleibt es nicht. Der Generalkommissar in Riga berichtet nach Berlin: "Die einheimische weibliche Bevölkerung ist vor allem den deutschen Soldaten seit dem Tage der Befreiung außerordentlich entgegengekommen."

Für die Mädchen und jungen Frauen des Ostens gibt es auch viele pragmatische Gründe, mit einem Deutschen anzubändeln: die für russische Verhältnisse sehr gute Versorgung der Deutschen verhilft ihnen in diesen Notzeiten, ein bißchen besser zu leben - oder gar, nicht zu verhungern. So schaffen sich in den besetzten Ostgebieten hunderttausende Soldaten und Zivilisten der Verwaltung allmählich ein kleines Stück Frieden; führen dort ein zweites Leben, das für viele zum ersten wird.

Auch das Schicksal der Ostarbeiterinnen, die im Deutschen Reich ihr Glück suchen und geschwängert zurückkehren, ebenso das der Zwangsarbeiterinnen (Schwangerschaftsunterbrechungen, Zwangsentbindungen, Sterilisation), soll in den Film einfließen.

Aber auch eines der dunkelsten Kapitel dieser Ereignisse soll nicht in Vergessenheit geraten: das Schicksal der schwangeren jungen Frauen, als die Rote Armee diese Gebiete zurückerobert. Eine Ahnung davon vermittelt der "Stimmungsbericht über Charkow" (Ukraine) des deutschen militärischen Geheimdienstes: "Die NKWD-Grenztruppen erschossen 4.000 Einwohner, darunter viele Mädchen, die sich mit den deutschen Soldaten eingelassen hatten, besonders aber, wenn sie schwanger waren. Es genügten 3 Zeugen, um diese Mädchen vom NKWD zu liquidieren. Von diesen Leuten wurde auch gedroht, daß eine endgültige Säuberung erst nach Eintreffen des regulären NKWD erfolgen werde.


Die Resultate der Recherche in den Dokumenten-, Film- und Fotoarchiven in Deutschland, Rußland, Belorußland, den baltischen Staaten und der Ukraine, sollen uns ein zeitgenössisches Bild der fast 4-jährigen Besatzungszeit in den Ländern des Ostens vermitteln. Aufnahmen von Amateuren erfahren besondere Beachtung. Die Suche nach Zeitzeugen, vorrangig nach ehemaligen Wehrmachtssoldaten, die damals einzelne Schattierungen der "Liebe" als Betroffene erlebten, soll schon Teil des Films werden. Schwieriger wird es sein, die weibliche Seite für dieses Thema zu gewinnen: die Frauen waren es, die die Bürde dieser von beiden Seiten geächteten Liebe in aller Härte zu tragen hatten.

Wer kennt sie nicht, die Bilder der von der Öffentlichkeit geschändeten Frauen im befreiten Frankreich: die geschorenen Köpfe, die bespuckten Gesichter, der Spießrutenlauf in Sack und Asche. Doch unvorstellbar muß das Schicksal der Frauen und ihrer Kinder im Osten sein, wenn schon die heimgekehrten Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter/innen und sogar KZ-Häftlinge als mögliche Kollaborateure in die Gefängnisse, Gulags und in den Tod geschickt wurden.

Berichte der "vergessenen Kinder des Ostens", ihr Schicksal nach dem Krieg und ihr Leben heute nach der neu gewonnenen Freiheit dieser Länder, runden das Bild ab.


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